Seminarveranstaltung  und Workshop der KHW Kunsthochschule Berlin-Weißensee SS 08

in den Räumen des institutberlin  (Atelier) Naunynstr.64 Tel:6157651

Old Maps 4 von Stefan Micheel

Fr. 04.7.2008  20 Uhr 

Filme und Videos aus dem Stadtraum

Megamaschine / π Berlin Circumpolar

und andere Arbeiten die ihr zeigen möchtet !

 

Seninar Old Maps 3 1. Gehversuche und Erfahrungsaustausch über Old Maps 2. Über die Utopie und den Mephistialdruck  des Großbelastungskörpers im Zentrum der Achse

Großbelastungskörper 2008

Der geheime Grabmalentwurf Hitler/Speer und der Mephistale Druck des Großbelastungskörpers auf das Zentrum der Achse

Die satanische Verkörperung in der Figur des Hitlers sucht sich seinen Faust und plant mit ihm eine neobarocke Achse mit einem architektonischen Weltherrschaftskonstrukt und reißt über 50 Millionen mit in seinen Abgrund. 

Berlin sollte als neugestaltete Stadt in ‚Germania’ umbenannt werden und einem großgermanischen Weltreich einen Mittelpunkt geben. Wie in der Antike sollten Monumentalbauten in Germania dem NS-Staat zur Repräsentation dienen, gelegen auf einer Nord-Süd-Achse, einer Pracht- und Prozessionstrasse, die von einem neuen Nordbahnhof im Norden Moabits bis zum heutigen Südkreuz in Tempelhof reichen sollte.

Die Nord-Süd Achse auf Hegemonie und Weltmachtanspruch angelegt mit Bauwerken, die alles übertreffen sollten, was je gebaut werden würde.

Zitat: „Berlin wird als Welthauptstadt nur mit dem alten Ägypten, Babylon oder Rom vergleichbar sein!, Was ist London, was ist Paris dagegen!“  Monolog Hitler 1942

 Die Nord-Süd-Achse flankiert von den zahlreichen Einrichtungen des Nazistaats, allen voran die gewaltige Soldatenhalle, als Weihestätte für die zukünftig sterbenden deutschen Soldaten, die Helden auf den Schlachtfeldern der Welt.

Weit sichtbar verkörpern zwei kommunizierende Gebäude durch ihre Schwere und Sichtbarkeit als Kernelemente die Nord-Süd-Achse:  Der Triumphbogen und die Große Halle.  Beide zentralen Gebäude stammten aus der Ideenfeder des Führers in den 20 ger Jahren. Diese Zeichnungen ließ er von Albert Speer, dem Architekten des Führers, überarbeiten.

In Hitlers Vorstellungswelt blähte sich eine fundamentlose Selbstutopie auf, die sich über Maßlosigkeit und Größenwahn auswirkte, mit allen Instrumentarien an Machtfülle, die er an sich binden konnte.

Vor allem die große Halle sollte mit ihrem Volumen und ihrer Höhe alles Bisherige in der Welt in den Schatten stellen. Mit einem Kuppeldurchmesser von 250 Metern und einer Höhe von 320 Metern, die den heutigen Fernsehturm fast erreicht. Unter dieser gewaltigen Kuppel sollten 180 000 Personen Platz vor einer gewaltigen Rednerbühne finden. Hier zeigt sich der Nachteil maßstabslos gewordener Architektur. Albert Speer meinte später: >>Hitler verschwand in ihr zu einem optischen Nichts<<.

Zitat: „Die große Halle soll so werden, dass die Peterskirche mit dem Platz davor darin verschwinden kann. Wir nehmen als Baustein Granit. Selbst die ältesten Findlinge aus Urgestein in der norddeutschen Ebene zeigen kaum einen Anflug von Verwitterung. Diese Bauten werden, wenn inzwischen nicht wieder das Meer die norddeutsche Ebene überspült, unverändert noch in zehntausend Jahren stehen! […]“ Adolf Hitler in seinen Monologen

 Doch könnte sich in der ganzen architektonischen Inszenierung noch etwas ganz anderes verdeutlichen.  Sperr betonte, dass für den Innenraum weder Fahnenschmuck noch spezielle Beleuchtungselemente oder akustische Komponenten geplant gewesen seien.  Aus heutiger Sicht mit dem Wissen um die Inszenierungskraft der Nationalsozialisten erscheint dies irritierend.

 Mir erscheint die Halle als Nekropole, als gewaltige Grabstätte und geheimer Plan des Führers. Ein Führergrabmal erhoben über alle Toten des ersten Weltkriegs und jene, die er in dem noch kommenden zweiten Weltkrieg auf den Schlachtfeldern dem Tode weihen würde. Ein Führergrabmal erhoben über den schon monumentalen Triumphbogen mit seinen gewaltigen Abmaßen von 117 m Höhe und 170 m Breite, in den jeder Name der 1,8 Millionen gefallenen deutschen Soldaten des 1. Weltkrieges in Granit eingemeißelt werden sollte. Die Große Halle erhoben über die Soldatenhalle, deren „geheiligte Krypta“  die Sarkophage der Helden des nächsten großen Krieges aufnehmen sollte, bevor überhaupt der erste Schuss gefallen war.

 Deutlich wird auch in welcher Eile man das gigantische Projekt vorantrieb. Das gesamte Bauprojekt sollte 1950 abgeschlossen sein und im Rahmen einer Weltausstellung schließlich Berlin in ‚Germania’ umgetauft werden.

Hitler zu Speer: … „Das sage ich Ihnen, diese Bauten sind das Wichtigste! Sie müssen alles daransetzen, sie noch zu meinen Lebzeiten Fertigzustellen. Nur wenn ich selbst noch in ihnen gesprochen und regiert habe, bekommen sie die Weihe, die sie für meine Nachfolge brauchen.“

Schon während der ersten Gespräche über die Große Halle hatte Hitler festgelegt, dass diese sich nach den Vorstellungen des Mittelalters orientieren müsse. Hierbei offenbart sich, dass sich Hitler bewusst oder unbewusst in sein eigenes gewaltiges Grabmal– die Große Halle, in einer neoägyptischen Monumentalität einer Totenstadt betten wollte. Auf einer Rednerbühne mit einer Urne, die nichts darstellt als die Trümmer des Größenwahns, die Abermillionen Schicksale pulverisiert ins Nichts geführt hat.  

 Der geheime Grabmalentwurf Hitler/Speer

 Im Vorfeld des Baubeginns der großen Bauwerke hatte man eine Firma beauftragt, die Bodenfestigkeit unter den entstehenden gigantischen Gebäuden zu prüfen. Man konstruierte den sogenannten Großbelastungskörper, den man im Zentrum der Nord-Süd-Achse installierte. Er ist noch heute das einzige Bauwerk was im Zuge der Bautätigkeit von Hitler und Albert Speer überdauert hat.

An der Stelle des von Hitler erdachten Triumphbogens lastet der Kraftpfeil des Großbelastungskörpers mit unversetzter Kraft vertikal, abgewinkelt von der Nord-Süd Achse ins Zentrum - zum Mittelpunkt der Erde.  Also dort wo die meisten Religionen ihre Hölle bestimmen. Und nicht unweit von der Stelle, wo Hitler mit seinem Unsterblichkeits- Monument mit Hund und frisch gebackener Ehefrau in die Hölle fuhr.

Für mich verkörpert der Großbelastungskörper ein sinnbildliches Restmonument einer Faustischen Konstruktionsanleitung und eines Kraftdiagramms zu Mephistos Verführungsmodell.

Faust: „Nun gut, wer bist du denn? “

Mephistopheles: „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ 

Entwurf für Newtons Grabmal von Etienne-Louis Boullée 1784

st.m.

 

Workshop Old  Maps 2 (3.6.08) ist die praktische Weiterführung des Seminars Old Maps, das aus dem theoretischen  Ansatz von Beispielen und künstlerischen Positionen im öffentlichen Raum, die Vielschichtigkeit der  Berliner Geschichte als Ereignisfeld untersucht hat. Nun wird mit Old Maps 2 nicht die horizontale Zeitebene als Wahrnehmungsform erlebt, sondern es wird der Versuch unternommen, vertikal Zeitebenen anhand alter Berlinpläne zu vitalisieren. Diese Form der Herangehensweise ermöglicht eine neue Empfindlichkeit der Zeitschichtungen und Verwerfungen, auf denen wir uns tagtäglich bewegen.

In erster Linie wollen wir in Old Maps 2 nach verlorenen, zerstörten, vergessenen Orten suchen, die auch heute noch Muster und Merkmale aufweisen oder die es zu entdecken gilt. Nach dem Seminar bzw. der Workshopeinführung werden wir alle auf Spurensuche gehen, ausgerüstet mit historischem Kartenwerk und Dokumentationshilfen.

 Dieser Workshop versucht Strategien und Orientierungshilfen im ästhetischen Wahrnehmungsfeld des öffentlichen Raums in dieser Stadt in Erfahrung zu bringen.  

                                                                                               Berlin Naunynstr.

                                                                                                                                                                             

Seminar Old  Maps 1  (15.6.08) Berlin ist das Troja der Moderne mit den Splittern zum Mittelalter bis hinab zur Frühzeit. Dieses „Troja“ bzw. dieses Berlin der Könige, der Preußen, der Schlachtfelder, der Aufmärsche, der Revolutionen, der Studentenbewegungen, des Widerstandes, der Systeme, der Ismen, der Kriege, der Zerstörung, der Mauern, des Wiederaufbaus, der architektonischen Revolution, der Rekonstruktion usw., usw. – ein Feld auf dem wir uns in diesem Zeitfluss bewegen und in dem wir auch Spuren hinterlassen.

Mit OLD MAPS 1 soll eine andere Form der Spurensuche in der Stadt entwickelt werden. Wenn man sich alte Stadtkarten bzw. Straßenkarten vornimmt und mit jetzigen vergleicht, sieht man sehr deutlich den zeitlichen, proportionalen Beschleunigungsgrad des städtischen Strukturwandels. Hier gilt es anhand „OLD MAPS“ neue Orientierungen und Arbeitsansätze im Stadtgefüge zu finden.

Der Workshop soll in den Arbeitsräumen des Künstlers stattfinden und so einen näheren Praxisbezug herstellen.

Atelieradresse bzw. Treffpunkt:

Tel: 030 6929878 / 6157651

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