projekt 

am >>offenen grab<< der ulrike meinhof  

1996                                                                                                                           2001                                                                                                                     2009

Es geht in der Videoinstallation des Projekts um eine stille Betrachtung des Grabmals von Ulrike Meinhof über die Jahreszeiten hinaus - in eine beschleunigte Zeitreise ins Vergessen.  1996 machte st.eel eine 3D Aufnahme vom Grab (s. oben links), als es sich noch komplett in seiner alten Erscheinung zeigte. Versteckt hinter einer Buchsbaumhecke lag es isoliert und abseits von anderen Gräbern. Der Grabstein, auf dem in Kleinbuchstaben ulrike marie meinhof sowie Geburts- und Sterbedatum eingraviert sind, war in der Zeit noch in die entgegengesetzte Richtung zu den anderen Gräbern verdreht - wohl als Markierung eines Selbstmördergrabs. Auf dem Grabstein war kaum lesbar von jemanden geschrieben: >>Freiheit ist nur im Kampf um Befreiung möglich<<. Eigentlich sollte dieser Satz auf den Grabstein eingraviert werden, was aber nicht gestattet wurde. Ursprünglich hatte sich auchkein Berliner Friedhof gefunden, der den Leichnam der Ulrike Meinhof aufnehmen wollte. Nur die Dreifaltigkeitsgemeinde war, trotz des Protests vieler Gemeindemitglieder, bereit dazu. Klaus Wagenbach hielt die Grabrede und vertrat die Ansicht Ulrike Meinhof habe in ihrer Situation noch ein letztes Zeichen setzen wollen. Er markierte ihren Todestag als Jahrestag der Kapitulation Deutschlands im zweiten Weltkrieg und nahm den Verschwörungsbefürwortern den Wind aus den Segeln. Bei der Beisetzung äußerte Meinhofs Anwalt Otto Schily am offenen Grab die Ansicht, dass der Tod und das Leiden von Ulrike Meinhof ein Zeichen für die Hoffnung der Menschheit sein mögen. Zum Schluss trat der Dichter Erich Fried ans Grab und nannte Ulrike Meinhof >>die größte deutsche Frau nach Rosa Luxemburg<<. 2001 wurde das Grab umgestaltet und der Grabstein um 180°gedreht und somit nach Jahren des Vergessens in die Gemeinschaft der Gräber eingegliedert. Am 21.12.2002 wurde das eingeäscherte Gehirn der Ulrike Meinhof an ihrem Grab beigesetzt. Die Wenigsten hatten gewusst, dass ihr Gehirn nach ihrem Tod entfernt und in einer Universitätsklinik auf Anomalien ihres Geisteszustands untersucht worden war, wohl in dem Versuch, sie postum für ihr Handeln unzurechnungsfähig zu erklären. Hier am Grab hat die Ulrike Meinhof ihr eigenes Denkmal gefunden, an dem Zerrbilder kleben und immer neue Geschichten entstehen. Hier, wo der Endpunkt einer Biographie ist, verdichten sich Bilder zu einer zeitlosen Reise, die durch die Zeit immer mehr verblasst - bis ins Vergessen.

Die  Videoinstallation wurde erstmals in den Räumen von urban-art-info in Berlin 2003 vorgestellt  Video:  am >>offenen grab<< der ulrike meinhof  14:15 Min.
ww.hamburger-kunsthalle.de/manson/catalog/micheel.htm           
Hamburger Kunsthalle http://www.stefanmicheel.de/info12.html 
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